Computerbasiertes Training bei ADHS: Was bringt es wirklich? – Eine Metastudie
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Wenn du gerade im Familienchaos steckst, dein Kind zum tausendsten Mal abgelenkt ist und du nur eine Minute für dich hast:
Computerbasiertes Training kann eine kleine Unterstützung sein – kein Wundermittel, aber ein Baustein, der manchen Kindern hilft, ihre Konzentration, ihr Arbeitsgedächtnis und ihre Impulskontrolle ein Stück zu stärken. Wichtig ist: Es muss zu deinem Kind passen und darf euren Alltag nicht noch schwerer machen. In diesem Beitrag findest du einen ehrlichen Überblick, was diese Trainings wirklich bringen – und wie du herausfindest, ob es sich für euch lohnt.
„Sollte mein Kind ein computerbasiertes Gehirntraining machen? Bringt das überhaupt etwas – oder ist das nur teurer Hokuspokus?“ Eine neue wissenschaftliche Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025 hat sich genau damit beschäftigt. Sie hat untersucht, wie gut solche digitalen Trainings tatsächlich funktionieren – und ob sie unseren Kindern im Alltag wirklich helfen. In diesem Beitrag bekommst du eine klare, ehrliche und verständliche Zusammenfassung.
Was ist überhaupt „computerbasiertes Exekutivfunktionstraining“?
Kurz gesagt: Es sind Programme oder Apps, die bestimmte Gehirnfunktionen trainieren sollen – zum Beispiel:
- Arbeitsgedächtnis („Was war nochmal Schritt 2?“)
- Impulskontrolle („Erst nachdenken, dann handeln“)
- Aufmerksamkeit
- Planung & Problemlösen
Viele dieser Programme sehen aus wie Spiele, andere wie Lernsoftware. Dein Kind löst Aufgaben, die sich schwerer anpassen, je besser es wird.
Was sagt die Forschung?
Die neue Meta-Analyse1 zeigt:
👉 Ja, diese Trainings können die exekutiven Funktionen verbessern.
In 2 wurden insgesamt 10 Studien mit 446 Kindern mit ADHS einbezogen, die zeigten, dass kognitives Training die Aufmerksamkeitsprobleme und die exekutiven Funktionen signifikant verbesserte, jedoch keinen signifikanten Effekt auf Hyperaktivität/Impulsivität hatte; zudem verbesserte das Training die Aufmerksamkeit besonders bei Kindern unter 10 Jahren und bei einer Trainingsdauer von über 30 Tagen im Vergleich zu Kontrollgruppen.
Das heißt: Man kann messbar sehen, dass das Arbeitsgedächtnis oder die Konzentration besser werden. ABER – und das ist wichtig:
👉 Diese Verbesserungen übertragen sich nicht automatisch in den Alltag.
Dein Kind kann also in der App sehr gut werden und trotzdem in der Schule vergessen, dass es die Hausaufgaben dabeihat. Das ist kein Fehler – sondern typisch für ADHS.
Für wen lohnt sich so ein Training?
Computerbasierte Trainings können besonders hilfreich sein für Kinder, die…
- gerne am Bildschirm arbeiten oder spielen
- Motivation durch „Level“ und Belohnungen brauchen
- Schwierigkeiten mit Arbeitsgedächtnis oder Impulskontrolle haben
- kognitiv gefordert werden wollen
Wenn dein Kind dagegen schnell frustriert oder gestresst ist, kann das Training eher zur Belastung werden.
Welche Programme gibt es?
Hier ein kurzer Überblick über die untersuchten Programme:
- Cogmed – in Deutschland erhältlich, sehr wirksam für Arbeitsgedächtnis, aber kostenpflichtig und meist über Therapeuten oder Kliniken zugänglich.
- EndeavorRx: Eine Art Videospiel, das speziell für ADHS entwickelt wurde. Aktuell ist es nicht in Deutschland verfügbar. Man benötigt dazu eine US-Zulassung, daher für Eltern hier eher theoretisch interessant
- NeuroNation Kids / Cognifit Kids: Bunter, spielerischer, weniger streng. Gut für jüngere Kinder oder als leichtes Ergänzungstraining – teilweise über Apps erreichbar, oft günstiger; wissenschaftlich weniger gut untersucht, aber spielerisch.
Wie baut man es stressfrei in den Familienalltag ein?
Viele Eltern scheitern nicht am Training – sondern an der Umsetzung. ADHS-Kinder sind abends überreizt, nachmittags müde und morgens im Tunnel.
Hier ein paar Tipps, die in vielen Familien gut funktionieren:
| 15-Minuten-Regel | Kurz, klar, machbar. Lieber regelmäßig kleine Einheiten als lange Sessions. |
| Nicht täglich – 3x pro Woche reicht | Die Forschung zeigt: Mehr ist nicht immer besser. |
| Kein Training bei Müdigkeit oder Reizüberflutung | Sonst wird es zum Kampf – und das bringt niemandem etwas. |
| Direkt nach einer kleinen Belohnung oder Bewegungseinheit | Das Gehirn ist danach aufnahmefähiger. |
Was sollten Eltern realistisch erwarten?
Computertrainings sind kein Wundermittel – aber ein Baustein. Sie können helfen, bestimmte kognitive Fähigkeiten zu stärken. Sie ersetzen jedoch nicht:
- Medikamente
- schulische Unterstützung
- Alltagsstrategien
- Struktur
- Bewegung
- Entlastung für die Familie
Sie sind eher wie ein „Fitnessstudio fürs Gehirn“: Gut – aber nicht die gesamte Lösung.
Fazit: Lohnt es sich?
Ja – für viele Kinder kann es sinnvoll sein, besonders wenn es spielerisch gestaltet ist und zum Kind passt. Aber nein – es ist kein Ersatz für andere ADHS-bezogene Unterstützungen. Das Wichtigste ist: Es muss alltagstauglich sein und darf keinen zusätzlichen Stress erzeugen.
Wenn dein Kind motiviert ist, wenn es zu eurer Familie passt und ihr es entspannt einbauen könnt, kann ein solches Training ein echter Gewinn sein.
📚 Quellen & weiterführende Literatur
- Yan S, He X, Zhang Y, Yang J, Xu X, Liang X, Xu T, Dou W, Li B, Li Z. The effects of computerized executive function training on the youth with ADHD: A systematic review and meta-analysis. J Affect Disord. 2025 Nov 17;395(Pt A):120730. doi: 10.1016/j.jad.2025.120730. Epub ahead of print. PMID: 41260369. ➡️ Systematische Übersicht + Meta-Analyse (36 Studien / 1.798 Teilnehmende) über computerbasierte Trainings bei ADHS. ↩︎
- Zou X, Yu F, Huang Q, Huang Y. The effect of cognitive training on children with attention deficit and hyperactivity disorder: A meta-analysis. Appl Neuropsychol Child. 2025 Jul-Sep;14(3):329-338. doi: 10.1080/21622965.2024.2305874. Epub 2024 Jan 23. PMID: 38261550. ↩︎
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