Bild von Sandra Ebert von der ADHS Selbsthilfe im Bottwartal

Über mich

Ich bin Sandra, Mama von zwei Kindern – eines davon mit ADHS-Diagnose –, und auch ich selbst habe mittlerweile meine ADHS-Diagnose als Erwachsene erhalten. Mein Leben fühlte sich schon immer zweigleisig an: Manchmal hochmotiviert, voller Energie, als hätte ich acht Arme gleichzeitig. Und manchmal erschöpft, reizüberflutet, impulsiv – dann bekomme ich nicht mal die einfachsten Alltagssachen hin und mir wird alles zu laut, zu viel, zu schnell.

Meine Leistungen in der Schule waren wechselhaft. Ich habe spät studiert, spät promoviert, spät Kinder bekommen. Vieles in meinem Leben kam „später als bei anderen“, und lange dachte ich, ich bekomme einfach nichts richtig hin.

Erst durch die ADHS-Diagnose meines Sohnes habe ich angefangen, mich mit dem Thema wirklich auseinanderzusetzen – und mich selbst darin wiederzufinden. Die innere Unruhe. Das Jonglieren von hundert Dingen. Der Kampf mit Routinen. Der Hyperfokus. Plötzlich ergab alles Sinn. Ich habe mich jahrzehntelang angepasst, Erwartungen erfüllt, versucht, „normal“ zu wirken – und völlig übersehen, wie viel Kraft mich dieses Dauer-Performance-Kostüm gekostet hat.

Ich bin in Leipzig in einer bildungsarmen Familie aufgewachsen und war die Erste, die Abitur gemacht hat. Nach einer medizinischen Ausbildung habe ich Informatik studiert und im Bereich künstliche Intelligenz promoviert. Heute arbeite ich Teilzeit bei Bosch Engineering. Ich kann in Hochphasen komplexe Zusammenhänge durchdringen – und in Prüfungen oder unter Druck völlig versagen. Dann fühlt es sich an, als wäre eine Tür zu. Ich habe keinen Zugang mehr zu dem, was ich eigentlich weiß. Dann zweifle ich an mir – obwohl ich genau weiß, was ich kann.

Deshalb fühlt sich mein Doktortitel manchmal fast unangenehm an – obwohl er eigentlich zeigt, was unter passenden Bedingungen möglich ist. Meine Leistungsfähigkeit ist einfach nicht konstant: Wenn ich gut vorbereitet bin, kann ich klar und überzeugend argumentieren. Werde ich jedoch überrascht, wirke ich schnell unsicher, planlos oder uninformiert – und oft fallen mir die richtigen Gedanken und Argumente erst im Nachhinein ein.

Genau das beschreibt für mich ADHS ganz gut: keine gleichbleibende Verfügbarkeit von Leistung, sondern Momente großer Klarheit und Stärke – wenn die Bedingungen stimmen.

Für wen ist dieser Blog?

Für alle, die ADHS nicht nur als Diagnose kennen, sondern als gelebten Alltag. Für Eltern. Für Mütter. Und besonders für Frauen, die ihr Leben lang über sich hinausgewachsen sind, um „zu funktionieren“.

Für Frauen, die erst spät gesehen wurden. Für Frauen, deren Anstrengung lange unsichtbar blieb. Für Frauen, die dachten, sie seien „zu empfindlich“, „zu chaotisch“, „zu viel“.

Mein Ziel:
Ich möchte Wissen teilen, Erfahrungen sichtbar machen und dir zeigen: Du bist damit nicht allein. Und mit dir stimmt viel mehr, als du denkst. Du bist großartig – aber unter deinen Bedingungen.